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Tout le monde il est beau, tout le monde il est gentil.

Ich wache von einem leisen Zischen auf. Langsam öffne ich meine Augen und bemerke eine blasse Gestalt, die wie versteinert vor meinem Fenster steht. Das Licht des Mondes schmiegt sich um sie und vergoldet ihren nackten, dürren Körper sowie ihre langen, zerzausten Haare.

Als ich mich ihr nähere wird das Zischen lauter und beginnt sich zu einem Satz zu bilden. Du lebst in einer Scheinwelt wiederholt die Gestalt immer wieder.

Über diese Aussage, die Anschuldigung muss ich schmunzeln. Was für eine Ironie! Eine Irre sagt mir, ich würde in einer Scheinwelt leben, dabei sieht sie, diese Mondsüchtige, die Welt doch verkehrt!

Vor Abscheu will ich mich abwenden und aus dem Zimmer gehen, doch im selben Moment fährt die Gestalt herum und wirft mir einen so von Wut grausam verzerrten Blick zu, dass ich fast das Gleichgewicht verliere. In Sekundenschnelle verwandelt sich das Gesicht von Hass in einen liebevollen Gesichtsausdruck. Die Gestalt streckt ihren abgemagerten rechten Arm nach mir aus, schreckt dann aber auf und zieht ihn zurück, als ob sie sich verbrannt hätte. Kurz danach verschwindet der fürsorgliche Blick wieder und auf ihrem Gesicht zeichnet sich furchtbare Angst ab.

Sie dreht sich mit einem Ruck wieder zum Fenster, steigt auf das Sims und fliegt zum hinaus dem Mond entgegen.

Ich verharre in meinem Zimmer völlig bewegungslos und versuche das, was mir gerade widerfahren ist, zu realisieren. Ich würde es am liebsten als Albtraum oder Halluzination abtun, aber die Gestalt hat etwas zurückgelassen, was mich immer daran erinnern wird. Ihre Stimme wiederholt unaufhörlich den Satz Du lebst in einer Scheinwelt. Nach dem, was ich gesehen habe, glaube ich ihr.

Nicht die, von denen man so gerne als Irre spricht, sind die Geisteskranken. Nein, krank sind die, die die Welt nicht erkennen, die nicht erkennen wie grausam diese, unsere Welt wirklich ist. Krank sind die, die denken, die ganze Welt sei schön und die ganze Welt sei nett.

Seit dieser Nacht in der mir das bewusst wurde, wachte ich aus meiner Scheinwelt auf.



Und ich fliege jede Nacht zum Mond, um der Welt, in der wir leben, zu entfliehen.